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GENIES VON GESTERN, LEBT WOHL! - Nobelpreise ehren längst vergangene Heldentaten. Die Wissenschaft muss sich aber wandeln, verlangt eine neue Streitschrift.

Auch im Jahr 2016 blieb der Schweiz bei den noblen Preisen bloss das Nachsehen. Die letzte dieser höchsten akademischen Auszeichnungen liegt für unser Land bereits 14 Jahre zurück, fürs wissenschaftliche Selbstbewusstsein eine unendlich lange Durststrecke! 2002 erhielt der ETH-Biophysiker Kurt Wüthrich die Chemie-Medaille des Dynamit-Erfinders, seither warten wir jeden Oktober gespannt auf positive Nachrichten aus Stockholm.
   Die 1855 gegründete ETH Zürich wurde früher mit Nobelpreisen geradezu verwöhnt. Bis heute kann sich die Schweizer Spitzenhochschule mit 21 noblen Auszeichnungen schmücken. Statistisch gesehen erhielt durchschnittlich alle sieben bis acht Jahre ein mit der ETH verbundener kluger Kopf die akademische Trophäe, dies für seine meist vor Jahrzehnten gemachte Entdeckung. Und jetzt das nicht gerade noble Loch, ja Vakuum von 14 Jahren (seit 2002), eine leidige Abschlussschwäche!
Verzopfter Geniekult
Ausserdem bläst der Forschung hierzulande ein kühler Wind entgegen, weil aufgrund der unklaren politischen Situation (Personenfreizügigkeit) ein Ausschluss aus den lukrativen EU-Forschungsprojekten droht (Stichwort Horizon 2020). Viele namhafte Wissenschaftler, zahlreiche talentierte Forscherinnen liebäugeln (im Stillen) mit dem Wegzug. Im Weiteren ist die Wissenschaft im Umbruch, bewegt sich weg vom Geniekult, der nur einsame Helden feiert (statt interdisziplinäre Teams). Aufwind haben neue Entwicklungen wie öffentlich verfügbare Daten aus Experimenten (Open Data), Einbezug der Bürger in die Forschungsarbeit (Participation) und rundum zugängliche Publikationen (Open Access).
   Dieser Wandel böte auch der ETH Zürich Chancen, ihren manchmal prätentiösen Geist anzupassen. Die Bildungs- und Forschungsstätte mit typisch eidgenössischem Flair offenbart zwar etliche kosmopolitische Qualitäten, doch ebenso einige Untugenden. Die renommierte Institution könnte weit mehr tun, damit Wissenschaft global gerechter und sozial wirksamer würde. Das Universitätsprofil der Zukunft umfasst ebenfalls Punkte wie das lösungsorientierte Einmischen in wichtige politische Entscheidungsprozesse, die Solidarität mit Universitäten des Südens, die Bewusstseinsbildung im eigenen Hause sowie die Manifestation einer klaren Haltung gegen aussen.
   IN EIGENER SACHE: Mehr zu diesem Thema bietet eine soeben erschienene Publikation mit dem Titel "An den Tisch der Mächtigen - Streitschrift für einen beherzten Geist der ETH Zürich" (Autor: Beat Gerber, ISBN 978-3-033-05851-4). Bestellung hier.

Leseprobe: ETH-Streitschrift
Stimmen zur Streitschrift!

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"DOZIEREN STATT REGIEREN" - Nicht veröffentlichter Leserbrief zum gleich betitelten Artikel im Tages-Anzeiger vom 9. September 2016:
Es ist zweifellos verdienstvoll, dass sich auch ehemalige Politgrössen* in der freiwilligen Flüchtlingshilfe engagieren. Wie jedoch der TA über den diesbezüglichen Deutschunterricht der Zürcher Promis berichtet, zementiert den Graben zwischen der Schweizer Bevölkerung und den Asylsuchenden und ist für eine aufgeklärte Zeitung eigentlich skandalös. So zeigt das grosse Bild (oben) hinten aufrecht in bester Laune die Damen und Herren, die früher ihres hohen Amtes walteten und heute als Deutschlehrer wirken. Vorne sitzen etwas beklommen ihre Schüler, allesamt erwachsene Flüchtlinge, jedoch in der Bildlegende nur mit Vornamen erwähnt.
   Das Klassenfoto erinnert an Gotthelfs Zeiten, als die Schulmeister ihren widerborstigen Zöglingen selbstherrlich mit dem Stock auf die Finger klopften. Auch geht es beim Deutschunterricht für Flüchtlinge keineswegs ums "Dozieren", wie der Titel des Artikels ("Dozieren statt regieren") fälschlicherweise unterschiebt. Die freiwilligen Sprachmoderatoren (bin selbst auch einer) sind keine ausgebildeten Lehrer und müssen sich auch nicht an einen starren Lehrplan halten. Beim Unterricht geht es vorwiegend darum, den Flüchtlingen (meist ohne Deutschkenntnisse) den Zugang zur deutschen Sprache zu ermöglichen und ihnen ein situationsbezogenes Überlebens-Deutsch beizubringen. Ein hierarchisches Lehrer-Schüler-Verhältnis im traditionellen Sinn ist da nur hinderlich. Genauso abträglich sind Zeitungsartikel über das Gutmenschentum von bekannten Leuten, worin die betroffenen Flüchtlinge überhaupt nicht zu Wort kommen. Beat Gerber, Zürich
* Monika Weber (ehemalige Stadt-, National- und Ständerätin LdU), Ursula Gut (Alt-Regierungsrätin FDP), Ulrich Gut (ehemaliger Kantonsrat FDP), Josef Estermann (Alt-Stadtpräsident SP)

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Anlässlich des Fussball-EM-Finals vom Sonntag, 10. Juli:
ZAUBERFÜSSE DEKLASSIEREN SUPERHIRNE

Die Fussball-EM beflügelt den Transfermarkt; nach ähnlichen Regeln funktioniert auch die Wissenschaft, finanziell jedoch in der klar tieferen Liga.

35 Millionen Euro! Für die stolze Summe wechselt der erst 18-jährige Renato Sanches nächste Saison von Benfica Lissabon zu Bayern München. Der portugiesische Mittelfeldspieler mit kapverdischen Wurzeln gilt als eine der verheissungsvollsten Entdeckungen dieser Fussball-EM und stand mit Portugal im Finalspiel gegen Gastgeber Frankreich (10.07.). Sein Jahresgehalt in zweistelliger Millionenhöhe (genaue Summe ungenannt) wird zudem mit zahlreichen Bonuszahlungen angereichert. Das Jungtalent Sanches ist nur einer von vielen Starspielern, die sich jetzt Ende der Saison ihre Zauberfüsse vergolden lassen.

Seitenwechsel von den profanen Fussballstadien in die heiligen Hallen der Wissenschaft: Seit Universitäten sich um die vordern Ränge in den wichtigen globalen Rankings streiten, sind in der akademischen Welt die gleichen Verhaltensmuster zu beobachten wie beim Spiel auf dem grünen Rasen. Jede ambitionierte Hochschulpräsidentin, jeder strebsame Unirektor will selbstverständlich die weltbesten Professorinnen und Professoren an die eigene Institution berufen, zumindest diejenigen mit eindrücklichem Publikations-Output und noch wuchtigerem Zitierindex.

Ergraute Häupter vs. Rasta-Frisuren
Solche Transfers von seriösen Superhirnen unterscheiden sich hingegen augenfällig vom schillernden Fussballmarkt. Die akademischen Wettkämpfer (Frauen mitgemeint) sind deutlich älter, meist ergraut und tragen keine Rasta-Frisur wie Ballkünstler Renato Sanches. Die Gelehrten agieren zwar in teuren Labors (aber auch Stadien kosten etwas), doch als Humanressourcen sind sie auf dem Markt wesentlich billiger zu haben. Ihr Jahreseinkommen übersteigt mit wenigen Ausnahmen (in den USA) keine halbe Million Franken, dazu kommen einmalige Transferkosten wie Pensionskasse-Einkauf (kann in der Schweiz ins Geld gehen), die Vermittlung von Wohnung, Schulen für Kinder und Job für Partnerin bzw. Partner. Verglichen mit den traumhaften Salären der Zauberfüsse ist das allerdings ein Klacks, die Superhirne werden geldlich geradezu deklassiert.

Einmal mehr erweist sich die Kombination von Geist und Geld als weniger lukrativ als das leichtfüssige Vergnügen im Fussball. Ein Grund mag sein, dass die Resultate in der Wissenschaft erst mittelfristig wirksam werden, meisterhafte Spielzüge (vor allem der bevorzugten Mannschaft) die Zuschauenden dagegen unverzüglich in vibrierende Begeisterung versetzen. Lässt sich denn jemand wegen Forschungsresultaten spontan zu Gefühlsausbrüchen hinreissen? Kaum, allerdings sind es hie und da die Wissenschaftler selbst, die sich gegenseitig beklatschen, etwa wenn eine ihrer Sonden erfolgreich auf einem fernen Planeten landet (wie jüngst auf dem Jupiter).

Wissenschaft ist für Laien ein nüchternes, oft undurchschaubares Geschäft, das Publikum bleibt weitgehend ausgeschlossen. Laben kann sich eine Nation nur an den Nobelpreisen. Für die Schweiz liegt die letzte dieser höchsten akademischen Auszeichnung bereits 14 Jahre zurück, fürs wissenschaftliche Selbstbewusstsein eine unendlich lange Durststrecke! 2002 hat der ETH-Biophysiker Kurt Wüthrich die Chemie-Medaille des Dynamit-Erfinders bekommen, seither wartet die eidgenössische Akademia jeden Oktober auf positive Nachrichten aus Stockholm. Der Spielverlauf erinnert an die Schweizer Fussballnationalmannschaft, die zwar überlegt angreift, aber letztendlich keine Tore zu schiessen vermag. Eine leidliche Abschlussschwäche! Ausserdem bläst der Forschung hierzulande ein kühlerer Wind entgegen, weil aufgrund der innenpolitischen Situation ein Ausschluss aus den EU-Forschungsprojekten droht (Stichwort Horizon 2020). Viele namhafte Wissenschaftler, zahlreiche talentierte Forscherinnen liebäugeln (im Stillen, pssst!) mit dem Wegzug.

Transferliste mit wenig klingenden Namen
Braindrain hier, Legdrain dort. Auch etliche Schweizer Fussballer wandern weg bzw. weiter. Mit Abstand der teuerste Söldner ist Granit Xhaka (23), der neu für Arsenal spielen wird (Ablösesumme 47 Mio. Euro, Schweizer Rekord). Auf der Transferliste der Wissenschaft stehen weniger klingende Namen, niemand (ausser Eingeweihte) kennt die Gesichter - mit einigen Ausnahmen. Beispielsweise Patrick Aebischer, der Ende 2016 nach 16 stürmischen Jahren als Präsident der EPF Lausanne zurücktritt, ein überaus omnipräsenter Angreifer. Oder Thomas Stocker, Professor für Klima- und Umweltphysik der Universität Bern und vehementer Verteidiger des Zwei-Grad-Ziels, der es im Oktober 2015 nicht an die Spitze des UN-Weltklimarats (IPCC) geschafft hat und nun möglicherweise offen für Neues ist. Im Weiteren Felicitas Pauss, Physikprofessorin der ETH Zürich und langjährige CERN-Spitzenmanagerin (internationale Beziehungen), die Anfang August emeritiert wird. Sie könnte ihre vermittelnden Fähigkeiten in einem neuen Team einsetzen.

Obwohl die akademische Welt als geschlossener Zirkel gilt (Pfiffe zu hören!), dringen wiederholt Gerüchte (ohne Gewähr) an die Öffentlichkeit. So wird der selbstbewusste Mediziner und Hirnforscher Aebischer nächstes Jahr an einer Polarexpedition teilnehmen, wie er in einem dreiseitigen Interview mitteilt (Horizonte Nr. 109). Dort könnte er sich nach stressreicher Karriere im "ewigen Eis" selbst erforschen, was sicher Stoff für eine einträgliche Autobiografie ergäbe. Der nicht minder ehrgeizige Klimaforscher Stocker würde bestimmt eine grosszügige Offerte von Chinas bester Universität annehmen, um somit quasi an der Mega-Quelle des globalen Treibhausgas-Ausstosses wirken zu können. Schliesslich sei auch Pauss mit einem spannenden Angebot beglückt worden, kolportieren Insider. Die Teilchenphysikerin könnte an der noch jungen Synchrotron-Lichtquelle in Jordanien namens SESAME den bereits lange amtierenden Direktor ablösen. Der ringförmige Teilchenbeschleuniger erzeugt hochintensives Röntgenlicht und werde einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung im Nahen Osten liefern, so die Werbung. Der Direktorinnen-Job in der arabischen Welt wird für eine Frau zwar heikel sein, doch vermutlich ultrahoch dotiert, sitzt doch auch das reiche Königreich Bahrain im Rat der SESAME-Mitgliedsländer.

Wie die drei Beispiele zeigen, kann sich die Schatzkammer manchmal auch für die Wissenschaft öffnen. Doch selbst mit der Zauberformel "Sesam" aus "Tausendundeiner Nacht" wird der Fussball punkto Gagen und Beliebtheit weiterhin das Spiel dominieren. Er kann dabei auf gebündelte Emotionen und unvergleichlichen Zauber zählen. Der universitäre Geist tut sich damit schwer. Vor allem gegen goldene Füsse.

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WESTLICHER WISSENSCHAFTSJOURNALISMUS TRÄGT BEI ZU GLOBALER UNGLEICHHEIT
Wenn die Medien im globalen Süden über Wissenschaft berichten, übernehmen sie ungefiltert Meldungen zur Spitzenforschung der westlichen Welt. Solche Resultate aus teuersten Labors prägen in armen Ländern das Bild des wissenschaftlichen Fortschritts und auch die dortige Hochschulpolitik. Die lokalen Universitäten jagen westlichen Standards nach, die sie aus Mangel an Geld und qualifiziertem Lehrpersonal nie erfüllen können. Die Elite des Landes will sich aber mit "wissenschaftlicher Exzellenz" profilieren, was wie beispielsweise in Namibia scheitert: Die Studiengänge entsprechen nicht den lokalen Bedürfnissen, die meisten Absolventen finden keine adäquate Stelle, die besten Köpfe wandern ab ins Ausland.
   Fazit: Die westliche Wissenschaftskommunikation (Journalismus und PR) zementiert auf der Südhalbkugel den tiefen Graben zwischen Arm und Reich und erhöht damit das Migrationsrisiko. Eine Lösung zeigt Namibias Nachbarland Botswana, das Lehre und Forschung im indigenen (einheimischen) Wissen stark fördert, worüber auch bei uns unbedingt berichtet werden sollte. Angezeigt ist daher die Ausbildung von Wissenschaftsjournalisten im globalen Süden (v.a. Schwarzafrika). Die These wird mit vielen Beispielen aus persönlichen Erfahrungen als Wissenschaftskommunikator an Forschungsinstitutionen im südlichen Afrika illustriert. (Referat an der ScienceComm'16 am 23.09.2016)

ScienceComm'16_PP_Beat_Gerber_23-09-16.pdf

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SCHWEIZER START-UPS IN DER POLEPOSITION
Mai 2016. -
Innovation gilt als Schlüsselfaktor der Wirtschaftsentwicklung. Doch was bedeutet dieses Zauberwort konkret? Ein Blick in die Schweizer Innovationsszene offenbart ein buntes Bild. Zehn herausragende Jungfirmen veranschaulichen mit ihren Produkten diese Vielfalt.

Artikel in "Die Volkswirtschaft" des Seco und im News-Magazin des SBFI:

Die Volkswirtschaft_CH-Start-ups_BGerber_Mai2016.pdf

"CARACAS IST ÜBERALL"
12.10.2015 -
Zwei unkonventionelle Architekturprofessoren der ETH Zürich erforschen die Armenviertel der Welt und finden in diesen "informellen" Siedlungen kreative Kräfte. Auch in der Schweiz brauche es mehr solche Stadtlabors, in denen man an der Zukunft bauen könne, sagen Alfredo Brillembourg und Hubert Klumpner vom ETH-Institut "Urban Think Tank".
Artikel im Tages-Anzeiger (Wissen):

TA_SlumDesign_BGerber_12-10-2015.pdf

NEUER WEIN FÜR VERSTAND UND SINNE
01.10.2015 - Wissenschaftler der Forschungsinstitution Agroscope züchten widerstandsfähige Rebsorten, die einen geringeren Pestizideinsatz benötigen, sich aber trotzdem zu gehaltvollem Wein vergären lassen. Ein erfolgreicher Spagat des helvetischen Weinbaus. Die Schweizer Weinforschung findet denn auch im Ausland grosse Beachtung.
Seite im Tages-Anzeiger (Wissen):

TA_NeueRebsorten_BGerber_01-10-2015.pdf

WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION, EIN SANIERUNGSFALL !
Es braucht andere Formen, Kanäle und Ansprechgruppen
(Referat an der ScienceComm'15 in Solothurn)


24.09.2015 -
Die Wissenschaft muss ihre Rolle überdenken. Die Forschenden sind zunehmend verpflichtet, bei der Umsetzung ihrer Resultate aktiv dabei zu sein. Nur wenn sie am Tisch der Mächtigen aus Politik und Wirtschaft mitmischen, wird die Welt im Sinne der Aufklärung fortschreiten. Der Grund: Die meisten wollen es nicht wahrhaben, doch die Wissenschaft hat bei den globalen Herausforderungen bisher versagt. Der Forschergemeinschaft ist es nicht gelungen, für virulente Problemkreise wie Energie, Klima und Ernährung umsetzbare Lösungen in die Gesellschaft zu tragen. Das vom Steuerzahler in die Forschung investierte Geld bringt hier folglich keinen gebührenden sozialen Nutzen.
   Dieser Paradigmenwechsel hin zum «Einmischen» wird im Ausland heftig diskutiert und ist zwingend von der Wissenschaftskommunikation zu begleiten. Die Öffentlichkeitsarbeit der Hochschulen wie auch der Wissenschaftsjournalismus sollten sich von zusammenhangslosen Informationen über Einzelresultate zu einer themenzentrierten Orientierung der Gesellschaft entwickeln, welche die teils widersprüchlichen Erkenntnisse aus der Wissenschaft weitaus besser einordnet. Auch sind die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft wesentlich intensiver zu bedienen, um das Terrain für Lösungsansätze zu ebnen. Eine solche Perspektive eröffnet in der Wissenschaftskommunikation neue Dialogformen und Einsatzfelder, beispielsweise Themenkampagnen, Scientainment, Politikberatung und Impact Journalism.
Präsentation mit Beispielen:

ScienceComm'15_PP_Beat_Gerber_24-09-2015.pdf

DIE ZUKUNFT WIRD SO NICHT SAUBER
Grosses Tamtam um Start zur Weltumrundung von Solar Impulse 2


11.03.2015 -
Die Weltumrundung mit einem Solarflugzeug fasziniert, die Leistung von Bertrand Piccard und seinem Team beeindruckt. Aber die Auswirkungen solch spektakulärer Pioniertaten auf die Umsetzung wissenschaftlich-technologischer Erkenntnisse werden überschätzt. Ein Jumbo wird aufgrund seines enormen Energiebedarfs nie mit Solarzellen fliegen können. Zudem gilt die Schweiz hinsichtlich Solarstrom nicht gerade als Vorzeigeland, erzeugt sie doch nur ein halbes Prozent ihres Elektrizitätsverbrauchs mit Sonne. Auch von der ersten Mondlandung 1969 ist nicht viel Brauchbares übriggeblieben, ebenso hat der gigantische LHC-Beschleuniger im CERN uns bisher konkret bloss den Nachweis des Higgs-Teilchens beschert.
   Stets behauptet die Wissenschaftsgemeinschaft, solch milliardenteure Projekte würden der Menschheit dienen, zu wissenschaftlichen Durchbrüchen führen, die Wirtschaft beflügeln. Das sind Beteuerungen ohne Beweise. Und die Medien beten diese PR-Parolen kritiklos nach. Dabei geht es vor allem darum, die stattlichen Forschungsgelder zu rechtfertigen. „Big Science“ ist überaus kostspielig, doch wichtige Fortschritte in der Forschung lassen sich auch ohne Riesenmaschinen und Megaprojekte erzielen. Bis jetzt fehlt der Gegenbeweis.
   Um die grossen Herausforderungen wie Energie, Klima und Ernährung zu meistern, braucht die Wissenschaft ein neues Rollenverständnis. Sauber wird die Zukunft erst, wenn Forschende ihre akademische Komfortzone verlassen und bei der Umsetzung ihrer Resultate mitreden. Nur wenn sie am Tisch der Mächtigen aus Politik und Wirtschaft aktiv mitmischen, wird sich künftig die Welt im Sinne der Aufklärung weiterentwickeln. Der Weg dorthin ist mühsam, unbequem und weit weniger sexy als die Weltreise von Solar Impulse 2. (Leserbrief im Tages-Anzeiger)